Bonner Beamtin bedient Barmbek

Eigentlich möchte sich Frau Schmiedel gar nicht fotografieren lassen. Das Angebot, sie nur von hinten bei der Arbeit abzulichten, schlägt sie jedoch aus. „Wenn es schon sein muss, dann richtig.“

Alke Schmiedel ist Besitzerin der Capri Stube in Barmbek-Süd. Die kleine Eckkneipe in der Von-Essen-Straße gibt es laut Eigenauskunft seit über 50 Jahren.

Schräg gegenüber von Aldi liegt sie mitten im Wohngebiet. Im Jahr 2000 hat Schmiedels Ehemann den Laden samt Namen übernommen. Erfahrung in der Gastronomie konnte er bereits zuvor in anderen eigenen Kneipen sammeln. Dieser Standort hatte sich jedoch als besonders praktisch erwiesen. Oben drüber fehlen die Nachbarn.

Frau Schmiedel ist erst hier zur Wirtin geworden. Seit dem Tod ihres Mannes ist die 70-Jährige alleinige Chefin. „Eigentlich habe ich etwas ganz anderes gemacht“, erzählt sie und fügt zögernd hinzu: „Ich war Beamtin in einer Behörde“. In welcher, dass möchte sie jetzt aber nicht unbedingt verraten.

Anders als die meisten Stammgäste, die aus unmittelbarer Nachbarschaft kommen und sich, wie Alke Schmiedel erzählt, schon von Kindesbeinen an kennen, kommt die Besitzern der Capri Stube nicht aus Hamburg. Schmiedel ist vor vierzig Jahren aus Bonn an die Elbe gezogen. Ihre Stammkundschaft kennt sie mittlerweile sehr gut. Hinterm Tresen bekommt sie viele Geschichten zu hören. Doch die Alltagsprobleme ihrer Gäste sind für die Öffentlichkeit tabu. „Nein, darüber rede ich nicht“.

Ihre Kundschaft ist auch der Grund, warum die Wirtin im gestandenen Alter noch hinterm Tresen steht.  „Ich mache das hier, damit ich unter Leute komme. Das ist mehr so ein Hobby und bringt mir Freude“. Beim Blick durch die Kneipe wird schnell klar, dass sie ihr Hobby ernst nimmt. Akurat sind die roten Deckchen auf den Tischen verteilt, die Pflanzen werden ausreichend gegossen und auf den kleinen Lämpchen ist mit Sicherheit kein Staub zu finden.

Damit ihr der Job nicht doch mal langweilig wird, ist Schmiedel nur an ausgewählten Tagen im Laden. An den anderen oder wenn sie im Urlaub ist, übernehmen Angestellte die Geschäfte.

Tage, an denen sie sagen würde ich schmeiße alles hin, kennt die Wirtin daher kaum. Genervt ist sie manchmal trotzdem. Vor allem von der unsicheren Rechtslage beim Rauchverbot. „Man weiß einfach nicht genau was passiert. Im Moment dürfen wir ja noch rauchen, aber die Frage ist, ob das so bleibt“.

Schmiedel hatte sich vor einigen Jahren einem Club angeschlossen, der gegen das Nichtraucherschutzgesetz vor das Verwaltungsgericht zog. Zunächst mit Erfolg. In sogenannten Einraumkneipen mit einer Größe von bis zu 75 Quadratmetern darf weiterhin gequalmt werden. Sollte sich das ändern, würde Frau Schmiedel ihren Laden aufgeben.

„Die Gäste sagen immer, dass sie dann nicht mehr in die Kneipe gehen würden. Ob das dann wirklich passiert, weiß ich natürlich nicht“.

Bei einer Gesetzesänderung würde die 70-Jährige darauf nicht warten und verkaufen. Doch ob ihr dies dann so einfach gelingt, da ist sich Frau Schmiedel selbst nicht ganz sicher. „Wer kauft schon eine Kneipe, in der man nicht rauchen darf“?

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4 Gedanken zu „Bonner Beamtin bedient Barmbek

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