Stammgäste und Polizei – Zum Glaskasten Teil 2

„Gott sei Dank, der lebt noch. Einer meiner Uralt Stammgäste.“ Wirt Karl-Heinz Gebhardt deutet auf den Herrn, der soeben mit seiner Frau die Kneipe Zum Glaskasten an der Saarlandstraße 29a betreten hat. Das Ehepaar Loeh wohnt gleich um die Ecke. Während Herr Loeh sich an den Tresen setzt, steuert Frau Loeh einen der freien Holztische an. Er bestellt Bier, sie „Selterwasser“.  Für ein Foto gesellt sie sich bereitwillig zu ihrem Mann.        (zu Teil 1)

Reinhard und Christina Loeh. Die ältesten Stammgäste

Reinhard und Christina Loeh - Die ältesten Stammgäste

Das Gespräch mit Karl-Heinz Gebhardt ist für kurze Zeit unterbrochen. Neuigkeiten werden ausgetauscht. Man erkundigt sich nach dem Befinden des jeweils anderen. „Wir machen hier grad ein Interview“, erklärt Gebhardt seinen grinsenden Gästen. „Wir wollen mal wieder ins Internet.“ Aus dem Grinsen wird ein Lachen. „Meine Freundin Frau Schmiedel hat er auch schon besucht.“

„Arbeitet die heute, sie hat doch frei“, sagt Frau Loeh.

„Und, hast du schon fertig gepackt“, fragt Herr Loeh seinen Stammwirt, „oder noch gar nicht?“ Karl-Heinz Gebhardt fliegt am nächsten Tag in die Türkei. Seit über 20 Jahren macht der Wirt dort Urlaub. Früher sind sie dort mal alle gemeinsam hingefahren. Eine Fotocollage an der Wand erinnert an die gute alte Zeit. „Das kannst du gerne fotografieren“, sagt Gebhardt. „Das war in der Anfangsphase, als wir da campiert haben.“

Karl-Heinz Gebhardt sitzt mittlerweile wieder auf seinem Stammplatz. Das Interview geht in die nächste Runde. Auf die Frage, was seine Frau damals sagte als er ins Kneipengeschäft eingestiegen ist, antwortet er: „Zu dem Zeitpunkt war ich nicht mehr verheiratet.“

„Und, würden sie sagen, das war eine gute Entscheidung?“

„Das ich nicht mehr verheiratet bin auf jeden Fall.“ Gebhardt lacht laut. „Ich war von da an meistens mit irgendwelchen Kolleginnen oder Gästen liiert. Das bringt der Job so mit sich. Heute ist das an und für sich nicht mehr so.“

Was der Job noch mit sich bringt, sind die vielen Geschichten die Gebhardt in seinem Leben erzählt bekommt. „Wenn man hinterm Tresen steht hört man massenweise Stories. In der Kneipe bist du praktisch Doktor, Psychologe und Mutter für alle.“ Lachend deutet Gebhardt auf Herrn Loeh: „Und einen psychologischen Rat, den brauchen hier viele.“ Während Reinhard Loeh den Seitenhieb mit einem müden Lächeln quittiert, kann Gebhardt die Freude über seinen Witz nur schwer verbergen.

Um weitere Scherze zu vermeiden, wird an dieser Stelle die Frage nach den Gardinen vorgezogen. „Die hat Elke damals geholt. Weiß der Teufel wo sie die her hatte. Früher hatten wir richtige Vorhänge. Da war alles zu am Abend, damit keiner rein gaffen kann.  Aber diese haben wir bestimmt auch schon 15 Jahre.

„Wir haben ja nichts zu verbergen“, sagt Frau Loeh.

Sie sitzt immer noch am Tisch. Neben ihr steht eine alte Jukebox. „Musik gibt es hier auch und der Dartautomat lief früher von morgens bis abends“, erzählt Gebhardt.

„Man darf nicht vergessen, die Leute haben das Geld nicht mehr,“ sagt Frau Loeh.

Ein Umstand, der zusammen mit den ausbleibenden Gästen dazu führte, dass sich Gebhardt nicht jeder äußeren Regel unterwirft. Das Rauchverbot in Hamburg kümmerte ihn herzlich wenig.

„Wir haben einfach weiter geraucht und sind dann irgendwann kontrolliert worden“, berichtet Gebhardt. „Da gab´s ein bisschen Ärger, weil ich etwas viel getrunken hatte und wenn ich besopen bin, dann bin ich ein störrischer Hund. Ich mach dann was ich will und da wollte ich gerade dem Ordnungsdienst meinen Ausweis nicht zeigen.“

Das ganze endete in einem Polizeieinsatz. Die Beamten konfiszierten die Aschenbecher und brachten sie erst am nächsten Tag zurück. Gebhardt gibt zu, dass er wohl ganz schön frech geworden ist. Glück gehabt hat er trotzdem. Der Vorfall ereignete sich sonntags und der Glaskasten war seit einer Stunde offiziell geschlossen.

Einen Termin beim Ordnungsamt zog der Polizeieinsatz dennoch nach sich:

„Ich musste da dann persönlich antanzen, habe aber zum Glück nur einen Rüffel bekommen. Die mögen das gar nicht, wenn man als Wirt besoffen hinterm Tresen steht…“

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